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Ein Jahr nach Winnenden

Wenn's um's Thema Politik geht, oder um Gesellschaftliche Themen, bist Du in diesem Forum richtig...

Ein Jahr nach Winnenden

Beitragvon Scandi-Boy » 10.03.2010 20:58

Ist eurer Meinung nach etwas daraus gelernt worden?

Meiner Meinung nach ist in allen Bereichen noch viel zuwenig 365 Tage danach geschehen.
(Politik, Waffen, Schulen, usw...)

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Re: Ein Jahr nach Winnenden

Beitragvon lilkai » 10.03.2010 21:20

Ach doch ich find es hat sich einiges getan :)

An allen Schulen die ich kenne und auf die Freunde von mir gehn wurden Sicherheitstüren eingebaut, Verhalten bei einem Amoklauf besprochen und geprobt sowie aufmerksamer mit Problemschülern umgegangen.

An unserer Schule gab es im letzen Jahr 2 Amoklaufdrohungen, auf die beide mit größter Sorgfalt und Schnelligkeit reagiert worden ist. Wir hatten tagelang die Polizei an der Schule, Schüler wurden durchsucht und teilweise hatten wir schulfrei um die Sicherheit zu gewährleisten.

Und nein ich bin auf keiner Asischule :P auch wenn das jetz so wirken mag :) Aber selbst auf Gymnasien gibt es Scherzbolde die ihre Späße machen (wie sich bei einem der beiden Fälle herausgestellt hat) und Kranke die aber dann garnich Schüler unserer Schule waren (Zweiter Fall) :)

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Re: Ein Jahr nach Winnenden

Beitragvon toxicity » 10.03.2010 22:48

Ja die Waffengesetze müssen sich ändern, aber da funkt dann wieder die schießwütigen Jäger der CDU/CSU dazwischen, fast schon so wie bei den Konservativen in der USA, nur das sie es hier nicht mit Selbstverteidigung sondern mit Tradition begründen, genauso die Tatsache das diese Menschen das Schießen nicht in Computerspielen lernen sondern in Schützenvereinen die auch "Tradition" sind und deshalb nicht verboten werden.

Grundsätzlich muss um Amokläufe zu verhindern das Schulsystem verändert werden, weniger Schüler auf einen Lehrer (10-15) die Lehrer sollten auch Sozialpädagogig zumindest in der Grundlage erlernen, damit sie schnell Mobbing in keim ersticken können, und mehr Schulpsychologen die sich ausgibig mit den Thema Mobbing auseinandersetzen können.
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Re: Ein Jahr nach Winnenden

Beitragvon a1ns » 11.03.2010 08:48

Ich finde dass sich die Einstellung in allen Bereichen unserer Gesellschaft grundsätzlich ändern muss, was die angesprochenen Reformen im Schulsystem ja nicht ausschließt. Bei den Erziehern ist es meines Wissens so dass Psychologie ein Bestandteil von deren Ausbildung ist. Ich denke dass dies in irgendeiner Form auch beim Studium für ein Lehramt so ist.
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Re: Ein Jahr nach Winnenden

Beitragvon crazyinlove » 11.03.2010 16:28

Das Problem ist meiner Meinung nach, dass nur in diesen Tagen nach nem Amoklauf groß über Änderungen geredet wird. Aber sobald wieder ne andere Neuigkeit die Runde macht, ist so ein Amoklauf schnell vergessen. Heute hört man überall "1 Jahr nach Winnenden" und so, aber morgen siehts schon ganz anders aus...

Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

Sokrates, gr. Philosoph, 470-399 v.Chr.

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Re: Ein Jahr nach Winnenden

Beitragvon StartARiot » 11.03.2010 18:42

toxicity hat geschrieben:Ja die Waffengesetze müssen sich ändern, aber da funkt dann wieder die schießwütigen Jäger der CDU/CSU dazwischen, fast schon so wie bei den Konservativen in der USA, nur das sie es hier nicht mit Selbstverteidigung sondern mit Tradition begründen, genauso die Tatsache das diese Menschen das Schießen nicht in Computerspielen lernen sondern in Schützenvereinen die auch "Tradition" sind und deshalb nicht verboten werden.

Grundsätzlich muss um Amokläufe zu verhindern das Schulsystem verändert werden, weniger Schüler auf einen Lehrer (10-15) die Lehrer sollten auch Sozialpädagogig zumindest in der Grundlage erlernen, damit sie schnell Mobbing in keim ersticken können, und mehr Schulpsychologen die sich ausgibig mit den Thema Mobbing auseinandersetzen können.


Ja, stimme ich dir zu, jedoch sind solche Postulate, wie du sie hier anführst schnell gemacht und keinesfalls leicht realisierbar.
Als Grund sehe ich auch, dass in das Bildungssystem kontinuierlich weniger Geld investiert wird, obwohl das Deutschlands Kapital ist. Wir haben keine Ressourcen und sind auf Wissen angewiesen. Ein steigendes Budget hätte definitiv Auswirkungen auf die Lehrpläne und die Klassenzusammensetzung.

Eine Sache stört mich jedoch: CDU/CSu sind bestimmt nicht "schiewütig", sondern haben einfach recht. Wir haben schon die stärksten und besten Waffengesetze der Welt und du willst die noch weiter verschärfen? Wer an Waffen kommen möchte, der bekomt sie auch. Ein Sonntagsausflug nach Polen reicht schon aus. Und bei den wenigen Grenzkontrollen ist das Risiko eher gering.
Deshalb wäre eine Verschärfung der aktuellen Gesetzgebung blinder Aktionismus und würde nichts ändern. Mal abgesehen davon, dass es auch noch andere Mittel gibt, um einen Amok"lauf" zu machen; nämlich Bomben, wie z.B in der Virgina Columbine School in den USA, die zwar nicht explodiert sind, aber hunderte Schüler hätten töten können.

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Re: Ein Jahr nach Winnenden

Beitragvon Rhiannon » 11.03.2010 23:38

Ich schließe mich StartARiot an, Änderungen bei Waffengesetzen bringen kaum etwas. Wer sagt, dass die ach so strengen Regeln auch eingehalten werden? Wer sagt, dass verschärfte Bestimmungen nicht einen Schwarzhandel hervorrufen?
Außerdem finde ich es generell nicht gut, nur solche oberflächlichen Maßnahmen zu ergreifen. Es ist wie mit Krankheiten: Wenn ich krank bin, kann ich entweder die Symptome behandeln (zB Fieber), oder ich kann die Erreger bekämpfen. Und ich denke es ist offensichtlich, dass die Symptombekämpfung nicht lange wirkt, solange noch Erreger im Körper vorhanden sind.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Was sind die Erreger, was Symptome?
Die Symptome sind für mich: Gesteigerte Aggression, die nach außen, an anderen, ausgelassen wird.
Natürlich kann man die Schuld dafür einfach auf "die Gesellschaft" schieben (wie ich es häufig höre), "da ist halt was falsch" an der modernen Gesellschaft; aber ich denke, eine so einseitige Schuldzuweisung bringt niemandem etwas, da sie sehr unvollständig ist.
Überlegen wir doch mal, was in solchen Jugendlichen (oder auch Älteren) vorgeht, die einen Amoklauf planen/durchführen. Hier kann man nur Vermutungen anstellen, da es in jedem Menschen anders aussieht, und wir die meisten nicht mehr befragen können. Ich würde sagen, dass eine allgemeine Unzufriedenheit mit der eigenen Situation, eventuell ein "Sich-unverstanden-fühlen" in der Person vorhanden sind, manchmal auch Rachegefühle. Es hängt auch sehr von der Persönlichkeit eines Menschen ab, ob er einen Amoklauf macht: Jemand, der Aggressionen nach innen richtet, bringt sich selbst um ohne andere mit in den Tod zu ziehen, wenn ihm der Druck zu groß wird, während eine Person die ihren Ärger nach draußen ablässt eher zu einem Amoklauf fähig ist.
Generell gesagt ist der Grund für einen Amoklauf zu großer Druck, dem nicht mehr standgehalten werden kann, aus dieser Situation wird ein Ausweg gesucht.
Dieser Druck IMO aus mehreren verschiedenen sich häufenden Faktoren bestehen, zum Beispiel könnte ein großer Druck in der Schule _ein_ Grund sein, neben Belastungen im persönlichen Umfeld.
Ich fände es zum Beispiel sehr entlastend, würde die Gymnasialzeit wieder auf 9 Jahre gehoben. Das ist zwar nur ein winzig kleiner Faktor, aber unter Umständen könnte es gerade das sein, was letztendlich einen Hinderungsgrund darstellt. Häufen sich solche kleinen Änderungen, wird IMHO eine große Wirkung erzielt.

Es besteht hierbei das Problem, dass alle möglichen/notwendigen Änderungen mit finanziellem Aufwand verbunden sind, und wir kennen ja unseren Staat: Kommune sagt:"Wir haben so viel aus unsrer eigenen Kasse bezahlt, jetzt darf das Land uns Geld geben". Land sagt: "Wir müssen Schulden kompensieren und außerdem die Touristenattraktivität unseres Landes erhöhen. Wir bezahlen es euch, aber wir brauchen Unterstützung vom Bund." Bund:"Die Wirtschaft muss angekurbelt werden.... Wir können nichts geben, ihr müsst das selbst bezahlen. Oder wir erhöhen Steuern, dann ist Geld da."

Ich unterstütze toxicitys Forderung nach besser ausgebildeten Lehrkräften, besonders an weiterführenden Schulen (Grundschullehrer sind meiner Erfahrung nach gut ausgebildet, was Pädagogik anbelangt), und v.A. benötigen Lehrer und Schüler mehr Zeit miteinander. Den Großteil des Tages verbringen Schüler und Lehrer miteinander, jedoch nur als "Arbeitsverhältnis", es wird nur gelernt. Ich habe zB nur wenige Lehrer, die sich um das Wohlergehen der Schüler kümmern, die nachfragen, wenn es Probleme zu geben scheint. Würde die Schüler-Lehrer-Beziehung verbessert, sodass aus Lehrern Mentoren/Tutoren würden, stellte das eine grundlegende Verbesserung dar.
Ich fühle mich jetzt oft als "Lernmaschine": So viel Wissen wie möglich in so wenig Zeit wie möglich, und ich bin in meinem Umfeld mit diesem Gefühl nicht alleine. Würde den Schülern das Gefühl gegeben, als Mensch beachtet zu sein, hätte das IMO eine große Wirkung.

An dieser Stelle komme ich nicht umhin, doch noch eine Gesellschaftskritik loszuwerden. Unsere Gesellschaft ist sehr stark auf "Leistung" bedacht, was einen großen Druck macht. Wer ist der Beste? Ist eine grundlegende Frage, nur die besten dürfen studieren (Bachelor-Master), es geht darum, möglichst an die Spitze zu kommen, etc.
Die Anforderungen an Jugendliche sind sehr hoch, und wem sie nicht egal sind, der geht fast daran zugrunde, zumindest ist das mein Eindruck, basierend auf persönlichen Beobachtungen.
Allerdings sehe ich keinen Weg, das noch zu ändern, die einzige Möglichkeit aus diesem System herauszukommen ist, an sich selbst nur geringe Anforderungen zu stellen, damit man sich nicht so viel Stress macht. Das kann aber nur jeder einzelne tun.

Zur Frage, ob in dem Jahr genug passiert ist: Insgesamt kann ich es nicht sagen, ich kann nur beobachten, dass an unserer Schule die Sicherheitsvorkehrungen verschärft wurden, sodass man sich inzwischen sehr eingesperrt fühlt, was früher nicht der Fall war. Und ich bin der Meinung, dass gerade eine einengende Atmosphäre erstens nicht zum guten Arbeitsklima beiträgt, dh man lernt nicht so gut, wenn man sich nicht wohl fühlt, und zweitens provoziert eine Einengung geradezu Widerstand, der sich u.A. als Amoklauf äußern könnte.
Meine Meinung zu den verschärften Vorkehrungen: Je raffinierter die Schutz - & Sicherheitsbestimmungen, umso raffinierter wird ein potentieller Täter bei der Planung und druchführung.

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Re: Ein Jahr nach Winnenden

Beitragvon Raz » 12.03.2010 19:52

Was mich viel mehr wurmt ist einfach, warum es "1 Jahr nach Winnenden" heißen muss?
Es wird sich jetzt die Tage wieder daran erinnert und anschließend verschwinden auch diese Gedanken wieder aus den Schlagzeilen. Dabei leiden die Angehörigen, Zeugen und Sicherheitskräfte dieses Dramas heute noch, sie vergessen das nicht einfach so schnell, wie vielleicht jemand der heute die Zeitung aufschlägt, kurz den Artikel überfliegt und danach zum Alltag zurückkehrt.
Klar, man kann keinem Drama, das je passiert ist, jeden Tag die volle Aufmerksamkeit widmen.
Jedoch finde ich es auch einwenig halbherzig, zum Jahrestag alles kurz wieder aufleben zu lassen und fertig.
Gelernt wurde meiner Meinung nach daraus nichts.
Es wird immer wieder Amokläufer geben, da nützen auch schärfere Waffengsetze nichts, denn wozu müssen es immer Waffen im Bekannten Sinne sein?
Man kann niemanden verbieten "So du hast ab sofort nie mehr den Gedanken Amok zu laufen"


"Man muss noch Chaos in sich tragen, um einen tanzeden Stern gebären zu können." - Friedrich Nietzsche

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