Himmelblau
Himmelblau
Ich möchte demnächst wieder an einem Schreibwettbewerb teilnehmen und habe mich diesmal dafür entschieden eine schwule Geschichte einzureichen.
Bevor ich sie abschicke würde ich gern wissen, was ihr davon haltet bzw. was euch gefällt oder was man ändern könnte.
So, nun wĂĽnsche ich euch viel SpaĂź
_________
Himmelblau
gewidmet meinem GegenstĂĽck RomanoP
Ganz gelassen steht Romano vor der Klasse. Er streicht sich ruhig die Haare zurück, verschränkt die Hände hinter dem Rücken und wartet ab. Es ist nicht seine erste Leistungskontrolle in Musik, daher ist er das Singen vor mehreren Personen schon gewohnt. Im Takt des Intros tippt sein Fuß mit. Der Schüler hat sich den Song „Ich geh in Flammen auf“ von Rosenstolz gewählt. Man merkt, wie sehr er das Lied liebt, denn auch seine Schultern und sein Kopf beginnen sich im Rhythmus zu bewegen.
Als Romano zu singen beginnt, gehöre ich ganz ihm. Wie gebannt sitze ich in der zweiten Reihe, den Kopf in meine Hände gestützt und lausche seiner Stimme. Kein Engel könnte schöner singen. Er trägt mich mit seinen Worten, mit seinem Gesang in eine ganz andere Welt. Wie jedes Mal wenn er singt. In meinem ganzen Körper macht sich ein angenehmes Kribbeln breit. Und als Romano es nicht unterlassen kann, ein wenig zu performen, ist es ganz um mich geschehen. Wie er an seinem Halstuch zupft, leicht die Hüften schwingt und dabei ab und an die Augen schließt. Er befindet sich in seinem Element. Und ich verliere mich in meinen Träumen…
„Matze! Hey, Matze!“, flüstert es mir von der Seite zu. Augenblicklich werde ich auch meiner Fantasie gerissen. Gerade als ich mir vorstelle, wie Romano seinen Arm nach mir ausstreckt. Schmunzelnd blickt Ariana mich an. Meine beste Freundin, die in der Schule immer neben mir sitzt, flüstert mir leise zu, damit sie die Leistungskontrolle nicht stört. „Mach den Mund zu.“, sagt sie und unterdrückt dabei ein Lachen. „Du sabberst ja fast.“ Verlegen presse ich die Lippen aufeinander. Schaue erst runter auf den Tisch und dann zu Ariana. „Bin ich sehr rot im Gesicht?“, frage ich leise. Lächelnd schüttelt sie den Kopf: „Nein, du siehst ganz normal aus.“ „Puh, gut.“ Diese Frage stelle ich Ariana nicht ohne Grund. Sie weiß als einzige, dass ich schwul bin. Und sie weiß auch, dass ich nicht ganz ruhig bleiben kann, wenn es um Romano geht.
Romano singt gerade den letzten Ton zu Ende, da applaudiert die Klasse schon. Er lächelt etwas schüchtern und verbeugt sich dankend. Natürlich klatsche ich auch in die Hände. Sogar am meisten, wie ich finde. Nicht nur ich bin begeistert von Romanos Gesang. Die ganze Klasse findet, dass er ein riesiges Talent hat, was nur ein Grund ist, weshalb er so beliebt ist. Vor allem bei den Mädchen. Kein Wunder, seine natürliche Art und seine Freundlichkeit sind einfach zum verlieben.
Frau Wegener, unsere Musiklehrerin, nickt zufrieden an ihrem Lehrertisch. Während Romano seine CD aus der Anlage holt, schreibt sie sich etwas ins Notenbuch. „Und, bist du zufrieden mit deiner Leistung?“, fragt sie ihn, als der Beifall verklungen ist. Romano schließt die Hülle seiner CD und lächelt wieder auf seine schüchterne Art: „Herrje, was soll ich sagen? Ich hatte Spaß dabei und wenn es den anderen gefallen hat, dann bin ich mehr als zufrieden.“
Frau Wegener schürzt schmunzelnd die Lippen: „Aha, aha. Na dann wollen wir uns mal umhören. Moritz-Matthias, was sagst du zu Romanos Leistung?“
Plötzlich stockt mir der Atem. Frau Wegener hat mich aufgerufen. Und ich soll, vor der gesamten Klasse sagen, wie ich Romanos Gesang finde. Das ist fast so, als solle ich der ganzen Welt erklären, was ich für ihn fühle. Im ersten Moment bringe ich keine Worte heraus. Ich starre meine Lehrerin nur ungläubig an. Nicht mal Ariana schafft es, mich mit ihrer Hand auf meiner Schulter zu beruhigen. „Ähm…also…ich…“ Hilfe. Mein Stottern klingt furchtbar! Und als ich auch noch bemerke, dass Romano mich ansieht, ist es mit meiner Konzentration endgültig vorüber. Seine himmelblauen Augen, sein Lächeln, all das ruht auf mir und ich spüre, wie mir unter Herzklopfen das Blut ins Gesicht schießt.
„Also? Was ist, Moritz-Matthias? Du hast Romano doch sehr intensiv zugehört.“
Leises Kichern geht durch die Reihen. Au weia. Frau Wegener hat also mitbekommen, wie gebannt ich Romano angesehen habe. Da kam Arianas Warnung wohl doch zu spät.
Ich versuche mich zusammenzureiĂźen. Immerhin ist dies eine Gelegenheit Romano ein Kompliment zu machen, ohne dass er gleich mehr von mir vermutet.
Gerade mache ich den Mund auf, da kommt mir jemand aus der letzten Reihe zuvor.
Es ist Mirko. Er ist das, was man sich sofort unter einem Macho vorstellt. Hochgegelte Haare, eine Sonnenbrille am Kragen, stets mit Lederjacke unterwegs und natĂĽrlich braungebrannt. Er hat es auf mich abgesehen, denn er ist bekennender Schwulenhasser. Obwohl er nichts von meinen GefĂĽhlen weiĂź, bin ich bei ihm als schwul abgestempelt. Weil ich ihm nicht cool genug bin und er mich einfach nicht leiden kann.
„Na unser Matze ist sprachlos, ganz einfach!“, sagt Mirko Kaugummi kauend. „Der Kleine ist veriebt!“ Empört drehe ich mich um, während erneutes Kichern durch die Klasse wandert. Nur Ariana bleibt ernst. Sie streicht mir über den Arm und sieht mich besorgt an. Lass ihn reden, will sie mir damit sagen, aber wie kann ich diesen Typen einfach so reden lassen? „Los, Matze, jetzt ist die Gelegenheit! Mach deinen Heiratsantrag!“
Nun hat es Mirko geschafft. Jetzt bricht Gelächter aus, seine Kumpels klopfen sogar auf die Tische und pfeifen. Wut steigt in mir auf. Wut und Scham. Ich möchte weg. Nur noch weg. Ich stehe auf und laufe schnellen Schrittes Richtung Tür. Zielstrebig den Blick zu Boden geheftet.
Da hält mich plötzlich jemand am Arm fest. Ich bleibe stehen und schaue hoch. Es ist Romano. Mit einem Mal verschwindet die Umgebung um mich herum. Er berührt mich. Es gibt nur noch ihn und mich. Und er sieht mich an. Direkt in die Augen. „Warte doch.“, sagt er liebevoll. Ich atme ein paar Mal tief durch. Die Scham von Mirkos Worten ist noch nicht ganz verflogen. Ganz langsam lässt Romano meinen Arm los. Die Stelle, die er berührt hat, kommt mir mit einem Mal so weich vor. Wieder beginnt er zu lächeln. „Habe ich so schlecht gesungen, dass du flüchten musst?“, scherzt er. Dabei blitzt unter seinem Halstuch kurz ein kleiner Anstecker hervor. Er zeigt einen Regenbogen und sitzt fest und sicher an Romanos Pullover. Einen Moment lang bleibt mein Blick daran hängen, dann sehe ich meinem Mitschüler wieder in die Augen. Ich glaube darin eine Sekunde lang ein Blitzen zu sehen.
„Nein, du hast schön gesungen.“ Ich fasse mir ein Herz und sage einfach, was ich denke. „Dein Gesang hat mir traumhaft gut gefallen. Viel besser als das Original!“ „Also wolltest du gar nicht flüchten, sondern gleich einen Plattenvertrag für mich besorgen?“ Romano lächelt über seinen Witz und ich merke, dass er damit versucht, mich aus meiner peinlichen Situation zu retten. „Ja klar!“, grinse ich. „Das wäre doch vergeudetes Talent!“
„Na, na, Moritz-Matthias, aber noch haben wir Unterricht. Die Suche muss wohl noch ein bisschen warten.“, sagt Frau Wegener. Augenblicklich finde ich mich in der Realität wieder, doch das macht mir nichts aus. Auch nicht Mirkos arroganter Blick und das Getuschel mit seinen Kumpels. Ich nicke meiner Lehrerin zu und setze mich zurück auf meinen Platz. Ganz heimlich unter dem Tisch legt Ariana mir ihre Hand aufs Knie. Das beruhigt mich sehr.
„Gut, Romano. Ich habe auch nichts weiter zu bemängeln. Eine glatte Eins.“, sagt Frau Wegener und schreibt die Note sofort in ihr Heft. Sofort ist meine peinliche Aktion vergessen, denn Romano wird noch einmal gebührend mit Beifall belohnt.
Während er an seinen Platz zurückgeht, lächelt er wieder schüchtern der Klasse zu. Dabei streift sein Blick auch kurz den meinen und als meine Augen seinen Himmelblauen begegnen, zwinkert er mir leicht zu.
Ein kleines Lächeln zeichnet sich auf meinem Gesicht ab.
Mein Herz klopft. Ich bin schwul. Und total verliebt.
Wolke 7 mach dich bereit fĂĽr einen neuen Mitbewohner!
GayUnion e.V. - Gemeinschaft im realen Leben
Raz (Moritz-Matthias H.) ->
Gruppenleiter "Verqueerte Welt" Dresden, GayClique Leipzig
Regionalleiter PLZ Gebiet 01, Redakteur und stellvertretender Jugendratsvorsitz.
Kontakt: raziel.k@hotmail.de
*Der Beitrag gibt nicht die Meinung des GayUnion e.V. wieder, sondern basiert auf meiner persönlichen Meinung.
-
Team-Mitglied
- Beiträge: 690
- Registriert: 30.09.2009 17:14


Gestern um 10:52 Uhr:
Moritz-Matthias GayClique Leipzig auf Twitter: @GC_Leipzig
» Live-Stream oeffnen
Re: Himmelblau
Ich stehe ein wenig neben mir gerade. Und weiĂź nicht so recht wie ich meine momentanen GefĂĽhle in Worte fassen soll.
Ich glaube es gibt wirklich Seelenverwandte. Bei uns kann ich mir das wirklich sehr gut vorstellen.
Ich weiß garnicht mehr was ich noch sagen soll. Deswegen hör ich jetzt auf was zu schreiben.
Raziel? Ich had dich echt mega dolle Lieb.
Vielen, vielen, vielen Dank fĂĽr dieses unglaublich tolle Geschenk. Ich sehe das jetzt einfach mal als Geburtstagsgeschenk von dir an, da ich am 29.08 Geburtstag habe.
Ich Liebe dich ( Freundschaftlich )
Re: Himmelblau
Danke fĂĽr dieses Kompliment!
GayUnion e.V. - Gemeinschaft im realen Leben
Raz (Moritz-Matthias H.) ->
Gruppenleiter "Verqueerte Welt" Dresden, GayClique Leipzig
Regionalleiter PLZ Gebiet 01, Redakteur und stellvertretender Jugendratsvorsitz.
Kontakt: raziel.k@hotmail.de
*Der Beitrag gibt nicht die Meinung des GayUnion e.V. wieder, sondern basiert auf meiner persönlichen Meinung.
-
Team-Mitglied
- Beiträge: 690
- Registriert: 30.09.2009 17:14


Gestern um 10:52 Uhr:
Moritz-Matthias GayClique Leipzig auf Twitter: @GC_Leipzig
» Live-Stream oeffnen
Re: Himmelblau
Nicht weil sie kacke sind oder so, sondern weil sie Gefühle vermitteln die ich wirklich sehr vermisse, und diese Fähigkeit ist wunderbar weil ich mir Kunst eben genauso vorstelle, Medien die Gefühle wirklich so wiedergeben wie man sie fühlt, du bist wirklich eine wahre Künstlerin (in meinen Augen).
So wie du Romanos Gesang beschrieben hast, so könnte man das auch zu deiner Geschichte schreiben, ich muss jetzt los und dir einen Vertrag bei einen Buchverlag besorgen
.-
User
- Beiträge: 273
- Registriert: 17.08.2009 21:26

08.04. um 17:21 Uhr:
toxicity lässt sich von den düsteren Klängen des Funeral Dooms tragen
» Live-Stream oeffnen
Re: Himmelblau

vielleicht, nein sicher, die schönste Geschichte die ich hier jemals lesen durfte
zumal ich Romano auch ein bisschen kenne und ja, das ist schon
i-wie ergreifend.. das passt TOTAL
Also .. wie toxi schon schreibt :
BUCHVERTRAG !!!
glG, Mike
-
User
- Beiträge: 468
- Registriert: 17.11.2009 21:51

21.02. um 21:18 Uhr:
loco Hallo Leute :) aus privaten GrĂĽnden und weil ich mit der "Vereinspolitik" der letzten Monate werder einverstanden bin, noch diese weiter mi...
» Live-Stream oeffnen
Re: Himmelblau
Ja, finde auch dass alles echt gut passt, ausser der Gesang.
Finde es immer wirklich schade, dass so wenige Leute bei Geschichten ihre Meinung abgeben.
Re: Himmelblau
ich finde die Geschichte auch richtig schön.
Kann mich richtig gut in die Personen hineinversetzen.
Kann spĂĽren was sie fĂĽhlen, wie es ihnen geht.
Ich war sprachlos und verträumt als ich sie zu ende gelesen hatte und habe viele Stellen mehrmals gelesen weil ich sie so emotional fand.
Mach bitte weiter so! Du hast eine kostbare Gabe!
Lieben GruĂź
Marc
-
Vereinsmitglied
- Beiträge: 13
- Registriert: 21.08.2010 12:40


30.09. um 18:49 Uhr:
york kann man sein profil hier nicht löschen? ist ja genau so unĂĽbersichtlich wie bei facebook und stayfriends wenn man sich löschen will .. als wĂ...
» Live-Stream oeffnen
Re: Himmelblau
ist das schon das ende??? sag bĂĽdde "NEIN" und sag BĂĽdde " da kommt bald der rest"
bĂĽdde bĂĽdde bĂĽdde bĂĽdde.
Lg:
torsten
Re: Himmelblau
Wenn gewünscht wird, dass ich noch was dranhänge, dann werd ich sehen, was sich machen lässt

GayUnion e.V. - Gemeinschaft im realen Leben
Raz (Moritz-Matthias H.) ->
Gruppenleiter "Verqueerte Welt" Dresden, GayClique Leipzig
Regionalleiter PLZ Gebiet 01, Redakteur und stellvertretender Jugendratsvorsitz.
Kontakt: raziel.k@hotmail.de
*Der Beitrag gibt nicht die Meinung des GayUnion e.V. wieder, sondern basiert auf meiner persönlichen Meinung.
-
Team-Mitglied
- Beiträge: 690
- Registriert: 30.09.2009 17:14


Gestern um 10:52 Uhr:
Moritz-Matthias GayClique Leipzig auf Twitter: @GC_Leipzig
» Live-Stream oeffnen
Re: Himmelblau
_________________________
Teil 1 – Das Outing
Dass ich schwul bin wusste ich schon lange bevor Romano ĂĽberhaupt in meine Klasse kam.
Ich habe schon immer die großen und starken Männer im Fernsehn bewundert, wie sie muskelbepackt in die Schlacht zogen und schließlich schweißdurchtränkt den Sieg holten. Was war ich begeistert, wenn ich als kleiner Junge solche Filmszenen sehen konnte. Irgendwie wollte ich damals einer von diesen starken Männern sein. Groß und stark eine Schlacht gewinnen und ein Held sein. Doch all den Prinzessinnen habe ich nie etwas abgewonnen. Stattdessen wünschte ich mir, dass ein weiterer starker Mann an der Seite des Helden stünde. Gemeinsam wären sie noch stärker. Und unschlagbar.
So habe ich mir damals meine ersten neuartigen Gefühle erklärt.
Wie alt war ich damals…ich glaube fünf oder sechs. Auf jeden Fall kann ich mich nicht erinnern, dass es jemals anders war. Dass ich jemals der Held eines Mädchens sein wollte.
Mit Puppen habe ich nicht gespielt, auch kein Pink getragen, wie es heute so oft ein beliebtes Vorurteil ist. Nein. Aufgewachsen bin ich ganz normal. Aber was heiĂźt schon normal?
„Was heißt schon normal?“, frage ich mich in Gedanken, als ich vor dem Stadtpark auf und ab gehe. Der Wind heute weht ziemlich kalt, ich muss mir die Jacke bis zum Kinn zumachen und sogar die Arme um den Körper schlingen. Nicht mal meine Nervosität schützt mich vor der beginnenden Herbstkälte. „Wo bleibt sie nur?“ Total aufgelöst schaue ich auf die Uhr. Es ist kurz nach 15 Uhr. Jeden Augenblick muss Ariana auftauchen.
Warum kann es nicht schon vorbei sein?
Erneut gehe ich auf und ab. Jeder Schritt verstärkt das Kribbeln in der Magengegend.
Worauf habe ich mich da nur eingelassen?
Aber es gibt kein zurück. Da muss ich jetzt durch. Sonst wird das Kribbeln immer größer und größer und bringt mich irgendwann zum platzen.
Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich ziemlich aufgeregt ein Mädchen erwarte.
Ich hätte nie gedacht, dass es mir mal so ergehen würde. Da kann man mal sehen…
Immer wieder atme ich tief ein und aus. Ein und aus. Nur nicht zu oft, sonst wird mir schwarz vor Augen. Ich scheine auf Kohlen zu sitzen. Was ich wirklich denke, weiß ich nicht. Da kreisen unzählige Sachen herum, begonnen von meinem ersten Tag in der Schule bis hin zu den tausend Möglichkeiten, die eintreffen können, sobald Ariana da ist.
Total verrĂĽckt, was mir in den Sinn kommt, aber was ist schon normal?
Dann taucht Ariana am Ende der Straße auf. Auch sie hat die Jacke bis zum Kinn geschlossen und die Hände tief in den Taschen vergraben. Mit einem breiten Lächeln kommt sie auf mich zu, während ihr langes schwarzes Haar im Wind weht. Nur vereinzelte blonde Strähnen sind manchmal zu sehen. Ich versuche zu lächeln, so gut ich kann. Als Ariana bei mir ankommt, umarmt sie mich liebevoll. Ich sie auch. So wie wir es schon immer tun.
„Hey Matze, schön, dich zu sehen.“, sagt sie, obwohl wir erst vor zwei Stunden Schulschluss gehabt haben. „Hallo Ariana.“, sage ich. Erstaunlicherweise klingt meine Stimme nicht ganz so zittrig wie ich mich fühle.
„Also, mein Großer. Was gibt es denn? Weshalb wolltest du mich so dringend sprechen?“, fragt meine beste Freundin und hakt sich an meinem Arm ein.
Wir gehen los in Richtung Park und sehen dabei bestimmt aus wie ein frisch verliebtes Pärchen.
„Lass uns erst mal ein paar Schritte gehen. Es ist ziemlich kalt.“, sage ich. Doch ich merke, dass dies nur eine unbewusste Ausrede war, um mein Vorhaben noch etwas hinauszuschieben.
Der Wind durchfährt weiterhin recht kalt meine Haare.
GayUnion e.V. - Gemeinschaft im realen Leben
Raz (Moritz-Matthias H.) ->
Gruppenleiter "Verqueerte Welt" Dresden, GayClique Leipzig
Regionalleiter PLZ Gebiet 01, Redakteur und stellvertretender Jugendratsvorsitz.
Kontakt: raziel.k@hotmail.de
*Der Beitrag gibt nicht die Meinung des GayUnion e.V. wieder, sondern basiert auf meiner persönlichen Meinung.
-
Team-Mitglied
- Beiträge: 690
- Registriert: 30.09.2009 17:14


Gestern um 10:52 Uhr:
Moritz-Matthias GayClique Leipzig auf Twitter: @GC_Leipzig
» Live-Stream oeffnen
Re: Himmelblau

Re: Himmelblau
Er trifft sich mit seiner besten Freundin Ariana im Park, um ihr etwas Wichtiges mitzuteilen.
Aber was ist es, was ihn so nervös macht?
_______________________________
Mittlerweile schmerzt schon meine Lunge beim Atmen, so tief hole ich Luft, um mich zu beruhigen. Aber vergebens. Arianas Nähe macht mich nur noch nervöser. Das Zittern meines Körpers fällt auch ihr auf. Sie drückt sich im Gehen ein wenig enger an mich und fragt: „Weißt du, woran du mich gerade erinnerst?“ Ich schüttle den Kopf. „An den Tag unserer Einschulung. Ich weiß noch genau, wie du in der letzten Reihe saßt, mit der riesen Zuckertüte auf dem Schoß. Dein Gesicht war fast nicht zu erkennen, so ein großer Teddy war drauf. Und gezittert hattest du. Immer wieder hast du dich nervös umgesehen, als hättest du Angst gehabt.“ „Bis sich plötzlich ein kleines Mädchen neben mich setzte und fragte, ob ich auch so aufgeregt sei, wie sie.“, ergänze ich lächelnd, als sich die Szene vor meinem inneren Auge abspielt. Ariana kichert. Sie wuschelt mir durch die Haare und macht sie somit ganz zerzaust. „Ganz genau. Und was ist aus diesem Mädchen geworden?“ Prompt löst sie sich aus meinem Arm und flüchtet einige Schritte zur Seite. Sie hat geahnt, was geschieht. Ich habe auch meinen Arm nach ihr ausgestreckt um ihre Frisur zu durchwuscheln. So machen wir es schon ewig, wenn wir uns freundschaftlich ärgern wollen. Noch einmal greife ich nach ihr und erwische sie an der Schulter. „Sie ist meine beste Freundin geworden!“, trällere ich und nehme sie in den Arm. Und Ariana ergänzt: „Und Moritz-Matthias Eschenberger, mein Matze, ist mein bester Freund geworden!“
Wahnsinn. Ich spüre lediglich nur noch ein sanftes Kribbeln in der Magengegend, sowie meine etwas weichen Knie. Sonst nichts. Sonst ist die Aufregung mit einem Mal abgeklungen. Meine Schritte sind immer noch unsicher. Erst recht, als Ariana und ich uns voneinander lösen und weitergehen. Wieder Arm in Arm.
Nun gut. Jetzt gibt es kein zurück mehr. Kurz halte ich noch mal inne, um die Nähe meiner besten Freundin zu genießen. Ich habe keine Ahnung, was sie gleich sagen wird. Wie ihre Reaktion ausfällt. Vielleicht war dies dann der letzte Tag, den wir als beste Freunde verbracht haben. Und vielleicht werde ich sie dann nie wieder an meinem Arm spüren.
Doch wenn ich diesen Schritt nicht gehe, könnte ich mir das nie verzeihen, dann würde ich Ariana anlügen, mein Leben lang. Nun ist die Zeit dafür gekommen, diese Last von mir zu werfen. Lange habe ich darüber nachgedacht, Nächte lang wachgelegen. Für diesen einen Moment.
Also gut.
„Ariana, ich muss dir etwas sagen…“
„Ist es das, weswegen du mich sprechen wolltest?“ „Ja.“, nicke ich. Unverändert gehen wir weiter durch den Park. Trotz des kalten Windes sind Hundebesitzer auf den Wiesen unterwegs und einige Jogger kommen uns mit ihren engen Sporthosen entgegen. Manche schauen uns an. Ich aber schaue nicht zurück. Mein Blick ist weit fort gerichtet.
„Ariana, du…bist meine beste Freundin!“ „Wie wir ja gerade festgestellt haben.“, grinst sie.
Ohne zu überlegen fahre ich fort. Es bringt jetzt nichts, noch länger zu warten. Alle Sätze, die ich mir zu Hause ausgedacht habe, sind vergessen. Die Passagen, welche hundertmal vor dem Spiegel geübt worden, lassen sich nicht vollziehen.
Stattdessen spricht mein Herz.
„Deswegen muss ich dir auch etwas sagen. Weil du meine beste Freundin bist. Und ich finde, das ist schon der wichtigste Grund, es nicht länger für mich zu behalten. Dich mein Leben lang anzulügen, würde ich nicht aushalten.“
Ariana bleibt stehen. Sie löst ihren Arm von mir und nimmt mich an beiden Händen. Ganz eindringlich sieht sie mich an. Man merkt, dass sie nun höchst aufmerksam ist. „Matze, hast du irgendwas angestellt?“
Ich fühle mich tatsächlich so, als hätte ich etwas verbrochen.
„Nein. Ehrlich, ich habe nichts getan. Trotzdem weiß ich nicht, was du sagen wirst…ob du dann überhaupt noch mit mir sprechen wirst.“
„Matze, was ist los?“
„Ariana, ich…ich…ich bin…“
GayUnion e.V. - Gemeinschaft im realen Leben
Raz (Moritz-Matthias H.) ->
Gruppenleiter "Verqueerte Welt" Dresden, GayClique Leipzig
Regionalleiter PLZ Gebiet 01, Redakteur und stellvertretender Jugendratsvorsitz.
Kontakt: raziel.k@hotmail.de
*Der Beitrag gibt nicht die Meinung des GayUnion e.V. wieder, sondern basiert auf meiner persönlichen Meinung.
-
Team-Mitglied
- Beiträge: 690
- Registriert: 30.09.2009 17:14


Gestern um 10:52 Uhr:
Moritz-Matthias GayClique Leipzig auf Twitter: @GC_Leipzig
» Live-Stream oeffnen
Re: Himmelblau
-
User
- Beiträge: 273
- Registriert: 17.08.2009 21:26

08.04. um 17:21 Uhr:
toxicity lässt sich von den düsteren Klängen des Funeral Dooms tragen
» Live-Stream oeffnen
Re: Himmelblau
DaemonSaDiablo (Claas I. Pigorsch) ->
Gruppenleiter "LBG Rhein-Berg" Bergisch Gladbach,
Kontakt: DaemonSaDiablo@live.de
*Der Beitrag gibt nicht die Meinung des GayUnion e.V. wieder, sondern basiert auf meiner persönlichen Meinung.-
Vereinsmitglied
- Beiträge: 475
- Registriert: 13.10.2009 17:39


Gestern um 16:34 Uhr:
Claas ich wurde heute morgen gefragt ob ich den nicht vatertagfeiern gehe, ich konnterte nur, 1. bin ich kein vater und zweitens saufen kann ich auch
» Live-Stream oeffnen



